Ein amerikanisches 5-String Open-Back-Banjo aus der frühen Zeit der Liberty Banjo Company in Bridgeport, Connecticut.
Der Buckdancer wurde von Bob Flesher speziell als Old-Time- und Clawhammer-Banjo entwickelt und orientiert sich konstruktiv an historischen A.A.-Farland-Banjos um 1900.
Charakteristisch ist die ungewöhnliche Holz-Tonring-Konstruktion ohne schweren Metall-Tonring, die dem Instrument einen direkten, klaren und zugleich warmen Charakter gibt.
Geschichte der Liberty Banjo Company
Die Liberty Banjo Company entstand Ende der 1960er-/Anfang der 1970er-Jahre in Bridgeport, Connecticut. Zu den prägenden Personen gehörten Bob Flesher und Paul Morrissey. Liberty begann zunächst mit hochwertigen Banjo-Bauteilen, Inlay-Arbeiten, Gravuren, Hälsen und Resonatoren und entwickelte später eigene Instrumente. Ein Liberty-Katalog von 1976 nennt die Firma bereits als etablierten Anbieter von Banjo-Komponenten und kompletten Banjos.
Bob Flesher war für einen wesentlichen Teil der Gestaltung und der Custom-Arbeiten verantwortlich, während Paul Morrissey sich stärker um das laufende Geschäft kümmerte. Flesher arbeitete gleichzeitig als Linienpilot und blieb dem Banjobau über Jahrzehnte verbunden. Zu den weiteren Instrumentenbauern, die bei Liberty tätig waren, gehörte unter anderem Jim DeCava.
Interessant ist auch Libertys Verbindung zur damaligen „Pre-War“-Banjo-Szene: Die Firma fertigte zunächst Instrumente und Komponenten nach dem Vorbild klassischer Gibson-Mastertone-Banjos. Später entstanden eigenständige Liberty-Modelle. Neben diesen Bluegrass-orientierten Instrumenten entwickelte Flesher mit dem Buckdancer jedoch ein ausgesprochenes Open-Back-Konzept für Old-Time-Spielweisen.
Konzept & Bauart
Der Buckdancer ist ein klassisches 5-String Open-Back-Banjo. Bob Flesher erklärte später selbst, dass er bei diesem Modell ein eigenes A.A. Farland Banjo aus der Zeit um 1900 zum Vorbild nahm. Dieses historische Instrument besitzt keinen konventionellen schweren Metall-Tonring, sondern arbeitet mit einer speziell geformten Holzkonstruktion. Flesher übernahm dieses Prinzip für den Buckdancer.
Bei einem dokumentierten Buckdancer aus dem Jahr 1980 besteht der Kessel aus laminiertem Hardrock Maple, innen und außen mit dekorativem Curly-Maple-Furnier. Das Fell liegt auf einer speziell ausgeformten Oberkante des Holzkessels auf. Ein separater schwerer Bronze- oder Messing-Tonring, wie er bei vielen Bluegrass-Banjos eingesetzt wird, entfällt.
Diese Konstruktion reduziert nicht nur das Gewicht des Instruments, sondern beeinflusst auch seine Ansprache. Erhaltene Buckdancer werden als klar, leicht und süss klingend beschrieben, gleichzeitig mit erstaunlich guter Lautstärke für ein Open-Back-Banjo.
Hölzer, Ausstattung & Gestaltung
Typisch für die Buckdancer-Instrumente ist die aufwendige handwerkliche Gestaltung. Dokumentierte Exemplare besitzen einen Ahornhals, einen Ahornkessel und ein Ebenholzgriffbrett. Dazu kommen dekorative Perlmutt- beziehungsweise Abalone-Einlagen im Griffbrett und auf der Kopfplatte. Ein erhaltenes Exemplar aus dieser Zeit besitzt zudem einen Palisander-Kopfplattenbelag sowie dekorative Holz- und Marquetry-Arbeiten am Kessel und am Dowel Stick.
Gerade diese Details zeigen die Herkunft aus einer Werkstatt, die nicht nur komplette Banjos fertigte, sondern auch auf Inlay-Arbeiten, Gravuren und individuelle Banjo-Komponenten spezialisiert war. Die Gestaltung orientiert sich deutlich stärker an amerikanischen Instrumenten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts als an einem modernen industriell gefertigten Banjo.
Die genaue Hardware konnte bei Liberty je nach Baujahr und Ausführung variieren. Bei einem dokumentierten Buckdancer von 1980 findet sich beispielsweise ein graviertes Kerschner-Tailpiece mit Liberty-Schriftzug. Solche Einzelheiten würde ich bei SN 1030 jedoch erst nach Abgleich mit dem tatsächlich montierten Originalteil als verbindliche Spezifikation angeben.
Klang & Spielgefühl
Klanglich gehört der Buckdancer eindeutig in die Welt des Old-Time-, Frailing- und Clawhammer-Banjos. Durch den Verzicht auf einen schweren Metall-Tonring reagiert das Instrument anders als ein typisches resonatorbestücktes Bluegrass-Banjo.
Der Ton besitzt eine schnelle und klare Ansprache, ohne die ausgeprägte metallische Schärfe eines schweren Flathead-Tonrings. Gleichzeitig bleibt genügend Projektion vorhanden, sodass einzelne Noten und rhythmische Clawhammer-Figuren deutlich wahrnehmbar bleiben. Zeitgenössische Besitzer beschreiben den Buckdancer entsprechend als klar, sauber, leicht und süss klingend.
Durch die Open-Back-Konstruktion und den Holz-Tonring fällt das Gewicht zudem vergleichsweise niedrig aus. Das macht den Buckdancer angenehm für längere Spielzeiten und passt gut zu der ursprünglichen Ausrichtung als spielerorientiertes Old-Time-Banjo.
Der Buckdancer als Liberty-Modell
Der Buckdancer ist besonders interessant, weil es sich nicht lediglich um eine Liberty-Interpretation eines bestehenden Gibson-Modells handelt. Bob Flesher bestätigte selbst, dass er den Buckdancer entworfen hat und noch Jahre später ein eigenes Exemplar besass und auf Aufnahmen einsetzte. Das Modell dokumentiert damit einen eigenständigen Teil der Geschichte der Liberty Banjo Company.
Das Konzept des Holz-Tonrings beschäftigte Flesher auch nach seiner Zeit bei Liberty weiter. Später entwickelte er dieses Prinzip weiter und verwendete bei seinen eigenen Instrumenten unter anderem Ebenholz-Tonringe. Der Buckdancer kann somit auch als frühe Stufe dieser Entwicklung betrachtet werden.
Warum dieses Instrument in unserem Sortiment?
Der Liberty Buckdancer steht für eine interessante Phase des amerikanischen Banjobaus, in der kleine Werkstätten historische Konstruktionen wieder aufgriffen und mit eigenen Ideen weiterentwickelten. Besonders die von Bob Flesher entwickelte Holz-Tonring-Konstruktion unterscheidet ihn deutlich von vielen anderen hochwertigen 5-String-Banjos seiner Zeit.
Unser Exemplar mit der Seriennummer 1030 stammt nach der derzeitigen Einordnung aus der Zeit um 1980 und gehört damit zu den frühen Buckdancer-Instrumenten. Neben seiner historischen Bedeutung ist es vor allem ein eigenständiges, vollwertiges Spielinstrument für Old-Time-, Clawhammer- un